Erfolge und Meilensteine
Die BISF hat von Anfang an erkannt, dass die Herausforderungen rund um den EuroAirport nur grenzüberschreitend gelöst werden können. Seit über zwei Jahrzehnten arbeiten wir eng mit Bürgerinitiativen aus Frankreich und der Schweiz zusammen – nicht gegeneinander, sondern gemeinsam für die Interessen der betroffenen Bevölkerung in allen drei Ländern.

2001: Gründung der Trinationalen Umweltkommission

Ein bedeutender institutioneller Meilenstein war 2001 die Etablierung der Trinationalen Umweltkommission als offizielles Gremium zwischen Deutschland, Frankreich und der Schweiz. Dieses Gremium besteht aus 15 Mitgliedern – je fünf aus jedem Anrainerstaat – und ermöglicht einen regelmäßigen Austausch zwischen den Behörden aller drei Länder.

Zusammensetzung

  • Frankreich: vertreten durch den Präfekten des Départements Haut-Rhin
  • Schweiz: Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft
  • Deutschland: Land Baden-Württemberg, vertreten durch das Regierungspräsidium Freiburg

Die BISF ist seit Bestehen offizielles Mitglied der deutschen Delegation und bringt die Perspektive der betroffenen Bevölkerung systematisch in die Gespräche ein.

Die Charta von 2006: Ein historischer Durchbruch

Im Jahr 2006 gelang ein bedeutender Schritt in der trinationalen Kooperation: Erstmals einigten sich Bürgerinitiativen aus allen drei Ländern auf eine gemeinsame Trinationale Charta gegen die schädlichen Auswirkungen des Flugverkehrs. Diese Charta formulierte klare, gemeinsame Forderungen, die bis heute Gültigkeit haben:

ADRA

Association de Défense des Riverains de l’Aéroport, Frankreich

BISF

Bürgerinitiative Südbadischer Flughafenanrainer, Deutschland

Forum Flughafen

Interessensforum für die Region Schweiz

Zentrale Forderungen:

  • Einführung eines strikten Nachtflugverbots von 22:00 bis 7:00 Uhr, entsprechend den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO)
  • Begrenzung der Flugbewegungen am EuroAirport auf maximal 100.000 pro Jahr
  • Abschaffung der 270°-Kurven bei Südstarts (ELBEG) und Landungen von Norden – zugunsten direkter und emissionsärmerer Flugverfahren

Erneuerung der Charta 2018: Verstärkung der Allianz

Zehn Jahre später, im Jahr 2016, wurde die Charta in aktualisierter Form erneuert. Die Zahl der beteiligten Organisationen wuchs und die Zusammenarbeit wurde institutionell gestärkt – ein Zeichen dafür, dass die gemeinsamen Anliegen nichts an Dringlichkeit verloren hatten.

Diese erweiterte Charta ist bis heute ein wichtiges Dokument des gemeinsamen Willens, die Gesundheit und Lebensqualität der betroffenen Bevölkerung in allen drei Ländern zu schützen.

Unterzeichner der Charta 2018

  • ADRA (Frankreich)
  • BISF (Deutschland)
  • FORUM (Schweiz)
  • Gemeindeverbund Flugverkehr GVF (Schweiz)
  • Schutzverband der Bevölkerung um den Flughafen Basel-Mülhausen SV (Schweiz)

2024: Verbesserung beim Nachtstartverbot

Ein wichtiger Teilerfolg der BISF und aller trinational aktiven Anrainerorganisationen: Der Flughafen erklärte sich bereit, 23:00 Uhr als späteste Startzeit für Flugzeuge anzustreben. Im französischen Recht gilt als Startzeit das Ablegen vom Flugsteig. Bis der tatsächliche und lärmende Start stattfindet, kann es sehr lange dauern. Der Flughafen ist bemüht daran zu arbeiten, dass kein Flugzeug mehr nach 23 Uhr vom Flughafen startet. Zwar starten noch etwa 30 Flüge pro Monat nach 23:00 Uhr – meist wegen Verspätungen oder betrieblichen Verzögerungen – aber die Situation hat sich gegenüber früher deutlich verbessert. Dies zeigt: Beharrlicher Druck der Bürgerinitiativen führt zu konkreten Verbesserungen, auch wenn das eigentliche Ziel eines Nachtflugverbots ab 22:00 Uhr noch nicht erreicht ist.

Praktische Erfolge in der Fluglärmreduktion

Verbesserung bei Nordlandungen: Trotz vieler Widerstände konnten in unserer aktiven Zeit konkrete Verbesserungen erreicht werden, die zeigen: Beharrlichkeit und sachliche Argumentation führen zu Ergebnissen. Diese Verbesserungen sind leider nicht umfassender Natur. Sie entlasten Anwohner in den Gemeinden Efringen-Kirchen und südlich davon, belasten aber die nördlichen Gemeinden im Rebland und Kandern. Ursache war die 2019/19 beschlossene Nordverlagerung des Startverfahrens „ELBEG 7S“ (Südstart mit 270 bis 360 Grad Linkskurve über uns.)

Allerdings brachte dies auch neue Herausforderungen: Die offizielle Lärmmeßstation in Efringen-Kirchen wurde nicht mehr überflogen, aber zunächst nicht durch eine neue Station ersetzt. Erst nach nachhaltigem Druck der BISF – unterstützt durch das Regierungspräsidium Freiburg, das Landratsamt Lörrach wurde die Station abgebaut. Es war viel Druck nötig bis endlich 2024 für drei Monate eine mobile Lärmmessstation in Huttingen eingerichtet wurde. 2025 wurde diese Station in Kandern aufgestellt. Für beide Stationen gibt es keine Daten. Ob und wann diese verfügbar sind, wissen wir nicht.

Medienarbeit:

  • Regelmäßige Berichterstattung in lokalen, regionalen und überregionalen Medien
  • Aufklärung über gesundheitliche Folgen von Fluglärm
  • Sensibilisierung für Umweltauswirkungen des Luftverkehrs

Politische Wahrnehmung:

  • Das Thema Fluglärmbelastung durch den EuroAirport ist heute auf allen politischen Ebenen präsent
  • Regelmäßiger Dialog mit Bundes- und Landesbehörden
  • Zwei Gutachten der Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages (2020 und 2025) bestätigen die rechtlichen Defizite

2021: Erfolg vor der UNECE in Genf

Die BISF unterstützte die Initiative der Bürgerinitiative „Flugverkehrsbelastung e.V.“, die sich um die Belastung am Hochrhein durch den Betrieb des Flughafens Zürich kümmert, bei der UNECE in Genf. Das Ergebnis: Deutschland wurde aufgefordert, eine grenzüberschreitende Umweltverträglichkeitsstudie (gUVP) für die Nutzung deutschen Luftraums durchzuführen. Auch wenn Deutschland „großzügig“ auf die Durchführung verzichtete, war dies ein wichtiger Präzedenzfall.

Netzwerk und Partnerschaften

Die BISF ist heute Teil eines starken, wachsenden Netzwerks von Organisationen, die sich für Lärmschutz, Gesundheit und Klimaschutz einsetzen.

Nationale und internationale Vernetzung:

  • Bundesvereinigung gegen Fluglärm (BVF) – Dachverband deutscher Bürgerinitiativen
  • Stay Grounded – internationales Netzwerk für klima- und umweltverträgliche Mobilität
  • Netzwerk Ultrafeinstaub (Deutschland, Frankreich, Niederlande)
  • Aktionsgemeinschaft Natur- und Umweltschutz Oberbaden (ANUO) – seit 2023 vertritt die BISF die ANUO im Klimabeirat Lörrach

 

Wissenschaftliche Arbeit: 

2023 beteiligte sich die BISF an einer wissenschaftlichen Publikation zu Ultrafeinstaub: „Covid-19 restrictions expose air traffic at the Munich Airport as hotspot of ultrafine particle pollution – implications for regional air quality“ (GEFAHRSTOFFE 83, 2023).

Institutionelle Kontakte und Dialog

Die BISF hat über die Jahre ein dichtes Netz an Kontakten aufgebaut, das die Grundlage für konstruktive Gespräche und Veränderungen bildet.

Regelmäßiger Dialog mit:

  • Flughafenleitung Basel-Mulhouse (seit 2015)
  • Verwaltungsrat des Flughafens (seit 2019)
  • Regierungspräsidium Freiburg (seit 2005)
  • Deutsche Flugsicherung (DFS)
  • Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF)
  • Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV)
  • Französische Flugsicherung (DGAC, DSAC)
  • Kommunalverwaltungen in der Region

Dialog auf allen Ebenen

Die BISF pflegt einen kontinuierlichen Dialog mit allen relevanten Akteuren rund um den EuroAirport. Dazu gehören regelmäßige Gespräche mit der Flughafenleitung, der Umweltstelle und dem Verwaltungsrat des Flughafens Basel-Mulhouse. Auf behördlicher Ebene stehen wir in Kontakt mit der französischen und deutschen Flugsicherung, dem Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF), dem Bundesministerium für Digitales und Verkehr sowie regional mit dem Regierungspräsidium Freiburg und dem Landratsamt Lörrach. Besonders wichtig ist uns die enge Zusammenarbeit mit den Schweizer und französischen Anrainerorganisationen sowie die Vernetzung mit dem deutschen Netzwerk der Bürgerinitiativen gegen Fluglärm.

Das komplexe Geflecht der Akteure

Die Herausforderung am EuroAirport liegt in der Vielzahl der beteiligten Akteure mit unterschiedlichen Interessen: Der Flughafen selbst definiert das Geschäftsmodell, während Schweizer und französische Behörden in enger Abstimmung agieren – schließlich unterliegt der Flughafen französischem Recht, dient aber primär als Schweizer Landesflughafen. Basel-Mulhouse firmiert als „3. Landesflughafen der Schweiz“. Deutschland, obwohl massiv von Fluglärm betroffen, ist nicht am Flughafen beteiligt, und Flugverkehr ist Bundesangelegenheit – bisher agiert man hier eher durch Unterlassen als durch aktives Handeln. Die Fluggesellschaften wiederum verfolgen ein Billigflugmodell mit langen Betriebszeiten, das wenig Rücksicht auf Nachtruhe nimmt. In diesem komplexen Geflecht vertreten aktuell drei Anrainerorganisationen die Interessen der betroffenen Bevölkerung: ADRA für Frankreich, der Schutzverband für das Schweizer Baselland und die BISF für Deutschland.

Chronik des EuroAirports und der BISF